Traumland ist abgebrannt

„Du bist genau wie ich“, zischt er. „Ich gehöre in die Welt der Träume, nur dort bin ich am Leben, nur dort kann ich meine Flügel ausbreiten. Vor mir kannst du es ruhig zugeben, du weißt eigentlich nicht, wann deine Träume ihren Anfang nehmen und wann sie enden, deshalb träumst du auch mit offenen Augen.“ Seine lispelnde Stimme holt mich zurück. „Weißt du eigentlich, dass du schon eine gute halbe Stunde hier stehst und mich anstarrst. Ich mag das nicht so gerne.“ Sein Atem steigt in meine Nase, er riecht verbrannt, mein Gesicht wird warm davon, es tut gut.

„Ich weiß, entschuldigung, hab‘ ich gar nicht gemerkt, willst du ein Brausestäbchen?“, ich hol‘ das Papiertütchen aus meiner Jackentasche, das ich gerade draußen gekauft habe, ich komme vom Weihnachtsmarkt, mache eine Verschnaufpause hier im Dunkeln unter dem Turm. Eine Gruppe Asiaten kommt durch den Mittelgang nach hinten. Sie drehen sich um in Richtung Altar, legen die Hände vor ihrer Brust zusammen und verbeugen sich bevor sie hinausgehen.

Er hat seinen Blick zurückgeholt, verlassen können wir uns nicht, wie auch.

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