Grau musst du sein

liebesperlen

Mitunter sind die Farben der Welt für mich unerträglich. Meine Augen wollen eine Pause machen und sich zurückziehen, mein Kopf verzehrt sich nach Einheitsgrau und regungslosem Schweigen. Laufe ich derzeit durch die Wälder – und wenn ich laufe, laufe ich immer durch irgendeinen Wald – dann ist knallendes Gelborange und tiefes Blutrot über mir, neben mir und sogar meine Füße waten durch einen brennenden Lavastrom. Die Sohlen meiner Schuhe ziehen klebrige Fäden, scheinen sich aufzulösen und halten mich am Boden. Das Laub ist zu einer Galerie aus gleißendem Licht geworden, ein Zeittunnel, der Ohnmachtsblitze auf meine Netzhaut bringt und mich orientierungslos vor sich hertreibt. Und selbst wenn ich vor Schmerzen meine Augen zusammenkneife, so dringt durch den kleinen Spalt, den die Lider frei lassen, eine verschwommene widerspenstige Farbmischung zu mir herein.

Ich laufe weiter, die gleichbleibende Bewegung bringt mir die ersehnte Farblosigkeit und sperrt die glänzende Bemalung der Welt aus und mit dem nächsten Zwinkern und nach der nächsten Kurve ist es dann passiert, es ist grau. Helles Grau, dunkles Schwarz, dreckiges Weiß, ich reiße meinen Blick auf und schaue mich um in den unmaskierten Schattierungen der Welt. Ich bin grau.

Auf meinem Nachhauseweg dann sehe ich den pinken Schmuck der Chinesischen Schönfrucht aufblitzen, der sich ganz offensichtlich von mir nicht hat beeindrucken lassen. Ich kann ihn schon von weitem sehen. Ja, denke ich, manchmal muss alles grau sein, aber Liebesperlen müssen einfach zu jeder Zeit pink sein.

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