Sehnsucht malt Farben

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Durch die Dunkelheit zu laufen, ist wie sich durch stehengebliebene Zeit zu bewegen oder durch einen nichtvorhandenen Raum. Ich laufe voran, ich spüre, wie meine Füße den Boden berühren, fühle wie die Sohlen meinen Körper wieder abdrücken, wie ich für einen Moment fliege, nehme wahr, wie ich vom Fleck komme, aber meine Augen sind zur Blindheit gezwungen, sehen nicht, wohin ich meine Schritte setze, erahnen den Untergrund manchmal nur. Und es scheint eigentlich auch gar nicht wichtig.

Ich trage eine Stirnlampe, wenn ich durch die Dunkelheit laufe. Ich trage sie nicht für mich – habe ich doch das Gefühl, ich muss gar nichts sehen, könnte genauso gut die Augen einfach schließen – ich trage sie, damit andere mich sehen, mich kein Radler über den Haufen fährt oder sich kein Fußgänger nebst Hund vor mir erschreckt. Eigentlich habe ich mich aufgelöst und bin verschmolzen mit der Zeitlosigkeit, so fühlt es sich an. Ich finde es wunderbar. Dass die Zeit dennoch vergeht, höre ich an den Glocken des Münsterturm, der verschiedene Glockenschläge an die Donau hinunterschickt. Ihr metallener Klang wabert über das Wasser und hallt in meinen Ohren nach. Die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos zeichnen eine Grinsekatze, die mir nachläuft und mir um die Beine streicht. Als ich mich bücke und sie auf den Arm nehmen will, verändert sie ihre Farbe von rot nach violett nach schwarz, die Nacht saugt sie auf.

Ich spüre den Schweiß auf meiner Stirn, ich höre meinen Atem, ich atme ein, ich atme aus.

Distanz: 7km , Dauer: 00:45h, Höhenmeter: 30m

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