Winterkind

Ich bin im Januar geboren. Oft hatte und habe ich an meinem Geburtstag Schnee. Mittlerweile zwar nicht mehr so häufig wie in Kindertagen, aber in diesem Jahr hatte ich mal wieder das Glück, ein funkelndes Winterwunderland als Geburtstagsgeschenk vorzufinden.

In den Vorgärten meines Wohnviertels stehen Schneemänner, der Garten liegt im Winterschlaf, die Schneeschaufel steht vor der Haustüre – ich schippe ausgesprochen gerne Schnee -, ins Dachgeschoß fließt, bedingt durch die Flockenpracht auf den schrägen Fenstern, ein ganz wunderbare gedämpftes Licht herein und – und das ist mit Abstand das Allerschönste daran – wenn ich draußen herumlaufe, dann ist bei jedem Schritt dieses wunderbare Knarzen zu hören, das entsteht, wenn sich der Schnee unter dem Schuh zusammenschiebt und zu seufzen beginnt. Ich liebe dieses Geräusch.

Also ich mag auch den Sommer und die Wärme, für mein Leben gerne hüpfe ich in den mit-Rad-fünf-Minuten-entfernten Badesee, Unterhemden, lange Hosen und vor allem Socken sind etwas, auf das ich grundsätzlich im Leben verzichten könnte. Ich mag es, wenn Luft an die Haut kommt und der ganz Körper atmen kann. Demnach und auch weil es irgendwie schick ist, habe ich lange zu mir und anderen gesagt, dass ich den Herbst und Winter nicht mag, dass der Sommer irgendwie besser ist.

Aber dann kam eine Zeit, in der ich gemerkt habe, dass ich weiße weite Leinenhosen einfach nur peinlich finde und zwar egal an wem, dass es mir nicht wichtig ist, ob ich im September nach einem Sonnensommer ein braungebranntes Gesicht habe, wobei ich sowieso eher zu Sommersprossen neige, dass das Eis der Eisdiele auch im Winter vor dem Ofen schmeckt und dass Hitze mich oft einfach nur anstrengt. Ich habe gemerkt, dass ich spätestens Ende August anfange, sehnsüchtig nach den ersten Anzeichen des Herbst zu suchen und dass ich mich freue, wenn ich die ersten Verfärbungen auf den Bäumen wahrnehme. Dann kann ich mich entspannten, denn eines weiß ich mittlerweile, der Herbst und vor allem der Winter bringen mir die Kraft zurück, die ich als Winterkind brauche, um den kommenden Sommer zu genießen.

5 Kommentare

  • Wolfgang Grosse

    Liebe Grüße vom Maikäfer und nachträglich ganz herzliche Segenswünsche für dein neues Lebensjahr. Ich mag die Zwischenzeiten Frühling und Herbst, der Beginn des Lebens und das Sterben. Ich hoffe für dich, du kannst dieses Jahr wieder reisen. LG

    • Marie

      Vielen lieben Dank, Wolfgang, bei allem was ist derzeit, bin und bleibe ich positiv. Das Reisen und das Unterwegssein fehlt mir tatsächlich sehr, aber zumindest Pläne mache ich schon wieder, denn ich will noch einiges von der Welt sehen. Letztes Jahr habe ich die Entdeckung des Langsam-Reisens gemacht und war mit dem Rad unterwegs und weil das so toll war, will ich das für dieses Jahr unbedingt wieder, vorzugsweise an einem Fluß entlang, vielleicht am Main, der Elbe, der Havel, der Weser, mal sehen.

  • Dorothee Maria Golombowski

    Herzliche Glückwünsche nachträglich zu Deinem Geburtstag . Ich bin ein Frühlingskind (19. April). So liebe ich ganz besonders den Frühling und den Herbst.

    • Marie

      Liebe Marie, vielen lieben Dank für Deine Geburtstagswünsche und vielen Dank fürs Umschauen auf meiner Website. Ich freue mich immer sehr, wenn sich jemand Zeit dafür nimmt und ganz besonders, wenn dann auch noch ein Kommentar da gelassen wird. Alles Liebe für Dich.

  • Dorothee Maria Golombowski

    Liebe Marie, wunderschön ! Danke ! Deine gemalten Worte berühren mein ❤️. Liebe Grüße von Marie aus Günzburg

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.